Unfallversicherung für Senioren

Senioren-Unfallversicherung – Eine Checkliste für den Abschluss

Im Seniorenalter passieren leider leichter mal Unfälle, zudem häufig Stürze mit Brüchen (viele Unfälle im Verkehr als Fußgänger und Fahrradfahrer und auch im Haushalt) und somit häufig mit dem Bedarf von Hilfestellungen. Für Senioren ist eine Unfallversicherung nicht wichtig, um eine Einkommensreduzierung oder einen kompletten Einkommensausfall abzusichern, für viele Senioren ist es wichtig im Falle eines Falles personelle Hilfeleistungen (wie z.B. Putzen, Hilfe bei der Körperpflege oder ein Begleiten zum Arzt oder zu einer Behörde) zu erhalten. Für viele alte Menschen ist dies die einzige Chance, in der eigenen Wohnung zu bleiben. Die Großfamilie stirbt aus. Dies hat auch zur Folge, dass viele Senioren im Alter alleine sind. Und auch wenn Kinder da sind, leben diese häufig nicht in der Nähe.

Dann ist noch folgender Punkt zu beachten: Die Definition Unfall beinhaltet die Attribute „plötzlich“, „von außen“ und „unfreiwillig“. Diese treffen leider bei vielen klassischen Senioren-Unfällen nicht zu. Der Unfallversicherer kann sich dann ganz einfach der Leistung entziehen. Wie kann das gehen? Senioren haben z.B. oft komplizierte Oberschenkelhalsbrüche. Mit ein Grund ist häufig eine alterstypische Erkrankung names Osteoporose. Da greift der Unfallbegriff dann nicht. Ein weiteres ähnliches Problem stellen Stürze dar, die aufgrund einer Bewussteinseintrübung zustande kamen („seniles Sturzsyndrom) oder aufgrund eines Herzinfarktes oder eines Schlaganfalles.

Der Abschluss einer Senioren-Unfallversicherung sollte gut überlegt sein, da diese Versicherung nicht ganz günstig ist. Eine wichtige Frage vor dem Abschluss ist folgende: Habe ich im Verwandten- und Bekanntenkreis jemanden der mir hilft oder stehe im Falle des Falles alleine da? Falls man alleine ist, sollte man noch abklären, ob man nicht bereits ausreichend über eine private Pflegeversicherung abgesichert ist, die mit finanziellen Leistungen zur Seite steht, falls man ein Pflegefall wird.

Würde man nach einem Unfall alleine dastehen und Hilfe benötigen, dann sollte man sich auf jeden Fall einmal bezüglich einer Senioren-Unfallversicherung beraten lassen. Im Beratungsgespräch soll dann nicht nur geklärt werden, wer das beste Angebot hat, sondern ob der Abschluss dieser Versicherung elementar bzw. wichtig ist. Folgende Themenpunkte sollten in einem guten Beratungsgespräch auf alles Fälle angesprochen werden:

  • Besteht bereits eine „normale“ Unfallversicherung und bietet diese noch ausreichenden Schutz?Läuft diese bestehende Police auch über das Alter von 75 Jahren noch weiter oder endet sie dann? Diese Frage ist unter anderem auch deshalb interessant, weil eine herkömmliche Unfallversicherung meist günstiger in den Beiträgen ist, als eine spezielle Senioren-Unfallversicherung. Wird eine spezielle Senioren-Unfallversicherung bevorzugt, dann ist es gut, wenn der Versicherer keine Altersbegrenzung bezüglich des Versicherungsbeginns festgesetzt hat.
  • Bei welcher Police erhalten ich nach einem Unfall Hilfe, egal, ob es zu einer Invalidität kam oder nicht? Oft reicht es aus, Hilfestellungen für einige Wochen zu erhalten, einfach bis zu dem Zeitpunkt, bis man alles wieder gut alleine erledigen kann. Hierbei sind die sog. Assistance-Leistungen (Wäsche- und Menüdienst, Putzdienst etc.) der interessante Teil der Police. Wichtig ist, dass der Versicherer die gewünschten Leistungen definitiv bezahlt und nicht nur vermittelt. Achten Sie auch darauf, ob Sie sich an eine bestimmte Hilfsorganisation (z.B. Malteser) wenden müssen oder frei Wahl haben. Da die Assistance-Leistungen unwichtig sind, so lange man (noch) nicht alleine ist, ist es sehr gut, wenn der Vertrag zu einem späteren Zeitpunkt entsprechend erweitert werden kann. Eben dann, wenn man sie braucht. Gut ist auch, wenn im Versicherungsfall die Assistance-Leistungen nicht zeitlich beschränkt für 6 Monate angeboten werden, sondern ggf. auch länger. Zudem ist es wichtig, dass der Versicherer auch dann in der Leistungspflicht steht, wenn man bereits andere Zahlungen erhält. Manche Versicherer leisten nicht, wenn der Versicherte Zahlungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung erhält.
  • Wird grundsätzlich bei einem Oberschenkelhalsbruch geleistet?Leider ist das ein recht häufiger Bruch bei älteren Menschen und eine herkömmliche Unfallversicherung würde einen Oberschenkelhalsbruch, der aufgrund von Osteoporose zustande kam, wohl kaum als Leistungsfall anerkennen. (Laut Stiftung Warentest sind folgende Tarife interessant, weil sie einen guten Leistungsumfang beinhalten: DBV bzw. DBV-Winterthur mit Boxplus Aktiv Unfall Extra, Generali mit Selekta 50 Plus Unfallpflegerente, Gerling mit Exclusive 60 (Rente ab 50% bzw. 40% Invalidität), Haftpflichtkasse Darmstadt mit S55 Plus und Ideal mit der Unfallrente.)
  • Wie ist der Unfallbegriff definiert? Wird auch bei Unfällen durch Schlaganfall bzw. durch Herzinfarkt geleistet? (Die Gesundheitsschäden, die durch diese Ereignisse bewirkt werden, sind jedoch stets nicht mitversichert.) Wird auch bei einer Vergiftung aufgrund falscher Medikamenteneinnahme geleistet?
  • Zahlt der Versicherer eine Rente oder auch eine einmalige Kapitalleistung? Einige Versicherer bieten hier eine interessante Koppelung an. Im Falle einer Invalidität wird eine kleinere anteilige Versicherungssumme gezahlt, bei höherer Invalidität eine höhere anteilige Summe und ab einer Invalidität von 50% dann eine Rente. Wichtig ist, dass eine Kapitalleistung erfolgt. Angebote mit reiner Rentenleistung werden den Bedürfnissen nicht gerecht. Einem hoch betagten Menschen nutzt das sehr wenig (der Versicherung dagegen viel). Zudem werden oft Aufwendungen für Umbauten in der Wohnung benötigt. Hierfür sind die Kapitalleistungen wichtig.
  • Bestehen Vorerkrankungen, die möglicher Weise das Risiko eines Unfalles erhöhen? Wenn man mal ein bestimmtes Alter erreicht hat, ist man meist nicht mehr sooo gesund, wie man es mit 20 war. Es ist wichtig, wirklich alles bei der Antragstellung anzugeben, da sich der Versicherer sonst schnell im Leistungsfall auf nicht angegebene Vorerkrankungen bezieht und die Leistung verweigert. Fragen Sie Ihren Berater, wie seine Erfahrungen mit den jeweiligen Versicherungen sind. Interessant ist z.B., ob ein Versicherer erst bei hohen Invaliditätsgraden die Vorerkrankungen zur Bemessung der zur erbringenden Leistung heranzieht. Schlecht ist es, wenn das schon bei kleinen Bagatellen geschieht. Am besten ist es natürlich, wenn ein Abschluss ohne Gesundheitsprüfung möglich ist.
  • Wichtiger Bestandteil einer guten Beratung ist, wie hoch man sich versichern sollte. Die finanziellen Leistungen müssen im Erstfall auch tatsächlich ausreichen. Ein guter Berater zieht somit bereits bestehende Versicherungen in seine Berechnung mit ein. Entscheidend ist, was im Versicherungsfall ggf. bereits von anderen Versicherern bzw. an Rentenzahlungen zu erwarten ist.