Checkliste Berufsunfähigkeitsversicherung für Existenzgründer

Checkliste Berufsunfähigkeitsversicherung für Existenzgründer:

Die irreführende Werbung der privaten Anbieter für Selbstständige

Haben Sie sich schon mal mit der Werbung der Berufsunfähigkeitsversicherer speziell für Selbstständige oder Freiberufler beschäftigt? Hier nur eines von zahllosen Werbebeispielen, speziell auf Selbstständige ausgerichtet:

"Privater Schutz - vor allem für Selbstständige ein Muss!
Jeder 5. Arbeitnehmer scheidet inzwischen aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben aus - vor allem psychische Erkrankungen waren in den vergangenen Jahren immer häufiger die Ursache dafür: Bereits 2001 wurde jedoch die Berufsunfähigkeitsleistung im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung für Jüngere gestrichen und durch die deutlich schlechtere Erwerbsminderungsrente ersetzt - mit teils fatalen finanziellen Folgen für die Betroffenen."
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Merken Sie etwas? Diese Werbung geht völlig an Ihrer Berufsgruppe vorbei!
Welche Bedeutung hat denn bitte für Sie als Selbstständiger oder Freiberufler die Statistik von Arbeitnehmern, die als Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung angehören. Selbständige oder Freiberufler die sich mit dem Thema Berufsunfähigkeit auf Basis dieser Zahlen/Statistiken auseinandersetzen, orientieren sich eindeutig an falschen Wahrheiten. Denn es handelt sich um eine Arbeitnehmerstatistik. Für den Selbstständigen spielen völlig andere Punkte eine Rolle:

Im Gegensatz zu Arbeitnehmern erhalten Selbstständige keine Lohnfortzahlung bei Krankheit; das Einkommen fällt sofort weg. Man braucht schnell Kapital bzw. Einkommensersatz, um seine Betrieb aufrecht zu erhalten oder eine Vertretung finanzieren zu können. Das ist bei der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung nicht gewährleistet. Es gibt verschiedene Möglichkeiten dies zu erreichen:

ProduktLeistungsspektrumVor- und Nachteile bzw. Verständlichkeit
Private KrankentagegeldversicherungEin privates Tagegeld leistet bei ärztlich diagnostizierter Arbeitsunfähigkeit. Der Beitrag ist abhängig von der Höhe der gwünschten Höhe des Krankentagegeldes (es wird ein Tagessatz, z.B. 100,-- Euro täglich vereinbart), vom vereinbarten Leistungsbeginn, vom Alter und vom Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss. Bei einigen Versicherern spielt auch die berufliche Tätigkeit eine Rolle bei der Beitragseinstufung. Durch die Wahl der sogenannte Karenzzeiten wird festgelegt ab welchem Tag einer Arbeitsunfähigkeit die Auszahlung erfolgen soll. Es werden Karenzzeiten von 8. Tagen bis zu 365. Tagen angeboten. Je früher niedriger die Karenzzeit ist, desto höher ist die Beitragsbelastung. Die meisten Selbstständigen wählen Karenzzeiten von 21. oder 28. Tagen. Es sind auch Kombiantionen möglich.Die meisten Tarife leisten bei 100%iger Arbeitsunfähigkeit - es darf also nicht gearbeitet werden, (das überprüfen die Versicherer gerne durch Kontrollanrufe oder fingierte Kundenanfragen) sonst besteht kein Leistungsanspruch. Die Meldung der Arbeitsunfähigkeit muss innerhalb der vereinbarten Karenzeit erfolgen und danach wöchentlich. Der Versicherer prüft zum Zeitpunkt der Arbeitsunfähigkeit, ob das versicherte Krankentagegeld wirklich dem vor der Erkrankung tatsächlich erzielten Verdienst entspricht. Ist das nicht der Fall, wird gekürzt. Gewinnt der Krankentagegelversicherer während einer längeren Arbeitsunfähigkeit den Eindruck, dass Berufsunfähigkeit besteht wird die Zahlung eingestellt ggf. werden Auzahlungen zurückgefordert. Irrsinnigerweise ist die Definition einer Berufsunfähigkeit in der Krankentagegeldversicherung eine andere als die der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung.
Private Schwere-Krankheiten-Versicherung (oft auch dread-disease oder critical-illness Versicherung genannt)Bei diesem Produkt handelt es sich um die modernste Form der Absicherung. Unmittelbar (zwischen 14 und 28 Tagen) nach der Diagnose erfolgt eine einmalige Kapitalauszahlung, je nach schwere der Erkrankung eine Teilauszahlung zur freien Verwendung. Die Auszahlung erfolgt unabhängig von der Auswirkung einer Erkrankung auf den Beruf und unabhängig von einem eventuellen Verdienstausfall. Abgesichert sind je nach Anbieter mahr als 60 Krankheiten wie Tumorerkrankungen (Krebs...), Herz- Kreislauferkrankungen (Herzinfarkt, Herzmuskelerkrankungen...), Entzündliche Erkrankungen (Artritis, Colitis ulcerosa...), Erkrankungen des Gehirns oder Nervensystems (Schlaganfall, Hirnahautentzündung...). Die Höhe der Kapitalauszahlung wird bei Abschluss der Vertrages festgelegt (z.b. 100.000,-- Euro).Diese Form der Versicherung verspricht dem Kunden größtmögliche Flexibilität, da der Leistungsanspruch klar definiert ist. Die vereinbarte Summe wird schnell ausgezahlt und steht zur freien Verwendung. Bei einer mehr als 3 monatigen Arbeitsunfähigkeit übernimmt ein Versicherer die Beitragszahlung unabhängig von der Ursache der Arbeitsunfähigkeit. Es besteht auch die Möglichkeit einen Erwerbsunfähigkeitsschutz einzuschließen. Minderjährige Kinder sind beitragsfrei mitversichert. Die Auszahlung der Versicherungsleistung ist einkommenssteuerfrei.
Private ErwerbsunfähigkeitsversicherungBei dieser Versicherung erhält man eine Erwerbsunfähigkeitsrente, wenn man mindestens sechs Monate lang nicht mehr in der Lage ist, mehr als drei Stunden täglich zu arbeiten – unabhängig davon in welchem Beruf.Diese Versicherung ist klar und verständlich formuliert. Kritiker bemängeln an diesem Produkt, dass man mit dem Kopf unter dem Arm kommen muss, bevor eine Leistung erfolgt. Das ist falsch und basiert auf einem Wissenstand der seit mehr als 10 Jahren überholt ist. Früher musste eine Erwerbsunfähigkeit voraussichtlich über einen Zeitraum von 3 Jahren (Prognosezeitraum) bestehen, um Leistungen zu erhalten. Die heutigen Produkte sehen einen Prognosezeitraum von 6 Monaten vor, der indentisch ist mit dem Prognosezeitraum der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung. Dieses Produkt gibt es bei einem Anbieter sogar ohne Gesundheitsprüfung.
Private BerufsunfähigkeitsversicherungAls Berufsunfähig gilt, wer infolge von Krankheit voraussichtlich länger als sechs Monate nicht in der Lage ist, seinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent auszuüben. Früher war der Berufsunfähigkeitsschutz eine Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung für Arbeitnehmer. Selbstständige konnten aufgrund Ihres Status nicht berufsunfähig werden. Die privaten bieten das Produkt mit ihrer eigenen Leistungsdefinition an. Eine Leistungsprüfung erfolgt nach qualitativen und quantitativen Gesichtpunkten. Es reicht also nicht aus, dass man beispielsweise nur noch 4 statt 8 Stunden am Tag arbeiten kann.Diese Absicherung ist die bekannteste, leider aber auch die komplizierteste. Empfehlenswert für hochspezialisierte Berufe (z.B. Zahnärzte), die sich das Produkt einerseits leisten können und bei denen eine Berufsunfähigkeit eindeutig nachgewiesen werden kann. Viele Personengruppen (körperlich Tätige, Künstler, Sportler), die einen BU am dringensten benötigen, erhalten dies nur zu extrem hohen Prämien mit eingeschränkter Versicherungsdauer oder überhaupt nicht. Wer selbstständig ist muss zusätzlich mit einer Hürde in den Versicherungsbedingungen kämpfen, die bei Arbeitnehmern keine Rolle spielt: die Umorganisationsklausel. Diese besagt, dass man seinen Betrieb bei einer Erkrankung ggf. so umorganisieren muss, dass hierdurch die Berufsunfähigkeit vermieden wird. Je mehr MItarbeiter man hat, umso schwieriger wird es also einen Anspruch durchzusetzen. Aus der praktischen Erfahrung ist bekannt, dass Selbstständige bei Krankheit nicht direkt die Flinte in Korn werfen, sondern weiter arbeiten um den Betrieb und das Einkommen aufrecht zu erhalten. Dies wird in der Regel so lange gemacht, bis nichts mehr geht, man also Erwerbsunfähig ist. Wer sich als Selbstständiger für den Schutz durch die private BU entscheiden möchte, sollte nur einen Vertrag mit Arbeitsunfähigkeitsklausel abschließen. Hierdurch ist garantiert, dass bereits bei längerer Arbeitsunfähigkeit gezahlt wird. Es gibt derzeit drei Anbieter mit dieser Klausel. Nur einer eignet sich für Selbstständige.

Anbei eine BU-Checkliste zum Ausdrucken. Diese ist als Hilfestellung bei der Suche nach dem richtigen Tarif gedacht. Arbeitet diese Punkt für Punkt mit einem versierten Berater durch. (An der Gestaltung der Liste könnt Ihr bereits erkennen, dass ein versierter Berater nur einer sein kann, der mehrere Tarife zum Vergleich anbieten kann. Die Chancen sind dann sehr gut, dass Ihr am Ende mit einem Abschluss belohnt werden, der Euren Bedürfnissen entspricht. Wie schon oben erwähnt - die Arbeitsunfähigkeitsklausel sollte ein wichtiger Bestandteil insbesonder bei Selbstständigen sein.
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Daher folgende Tipps:

  • Lieber jetzt, da man noch gesund ist, niedriger versichern als es tatsächlich ausreicht, als gar nicht versichern. Man kann bei allen Tarifen eine Dynamik vereinbaren. Die lässt über die Jahre die BU-Rente (und natürlich auch die Beiträge) kontinuierlich anwachsen. Man kann die Dynamik immer zwei Jahre hintereinander wenn man will aussetzen. Setzt man allerdings drei Jahre in Folge aus, dann erlischt die Dynamik.
  • Bei vielen Tarifen gibt es die Möglichkeit bei einer entsprechenden Einkommenserhöhung die BU-Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Man spricht in diesem Fall von einer Nachversicherungsgarantie. Der Nachteil: Man ist an ein zeitliches Limit gebunden. Die Erhöhung muss innerhalb von 3 Monaten oder 6 Monaten erfolgen. Da das Einkommen eines Selbständigen unregelmäßig ist, ist diese Option allerdings mit Vorsicht zu genießen.
  • Es gibt auch Tarife, die eine Erhöhung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes ermögliche, meist bis zu 5 Jahre nach Vertragsabschluss. So etwas bieten z.B. die Alte Leipziger, Condor oder der Volkswohl Bund an. Sollten sich Eure Geschäfte gut entwickeln, dann könnt Ihr hier zusätzlich ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen.
  • Klärt Sie im Vorfeld ab, welche Möglichkeiten bei Zahlungsschwierigkeiten geboten werden. Wichtig ist, dass der Vertrag stets bestehen bleibt und keine erneuten Gesundheitsprüfungen verlangt werden können.
  • Schließt die Versicherungspolicen zur Absicherung Eurer Arbeitskraft separat von Sparverträgen ab. Sicherlich kann man sich eventuell bei Kombiprodukten wie z.B. einer Kapitallebensversicherung mit Berufsunfähigkeitszusatzversicherung oder Rentenversicherung mit Berufsunfähigkeitszusatzversicherung ein bisschen etwas sparen. Leider ist man aber auch unflexibler, wenn es mal zu Zahlungsschwierigkeiten kommt. Es kann durchaus passieren, dass Ihr Geld aus einer Kapitalversicherung benötigt und diese dann kündigt. Ist der Kapitalvertrag an die Berufsunfähigkeitsversicherung gekoppelt, verliert Ihr diesen mit Kündigung oder Beitragsfreistellung des Kapitalvertrages, da Zusatzversicherungen stets nur in Verbindung mit dem Hauptvertrag stehen.
  • Achtet darauf, wie es der Versicherer es im BU-Fall mit der Umorganisation des Arbeitsplatzes hält. Meist besteht eine Verpflichtung zur Umorganisation. Falls der Versicherungsfall eintritt, müsst Ihr Eure Arbeitsstätte/Euren Betrieb umorganisieren bzw. darlegen, dass eine Aufgabenumverteilung oder Einrichtungsänderung, die eine Weiterführung der Tätigkeit ermöglichen würde, nicht umsetzbar ist.
  • Als Selbständiger denkt man sicher über eine private Krankenversicherung nach. Dort sollte auch ein Krankentagegeld mitversichert werden. Einige Krankenversicherer fordern ein bereits gezahltes Krankentagegeld wieder zurück, wenn sich herausstellt, dass Ihr nicht nur Arbeitsunfähig, sondern Berufsunfähigkeit seid. Das irrsinnige daran ist, dass die Berufsunfähigkeit im Sinne Eurer privaten Krankentagegeldversicherung anders definiert ist, als die einer BU-Versicherung. Das muss vorher abgeklärt werden. Einige Versicherer (z.B. die Continentale oder die Nürnberger Versicherung) bieten bei Abschluss der Krankenversicherung und der Berufsunfähigkeitsversicherung in einem Hause an, sodass bei Feststellung der BU das Krankentagegeld dann eingestellt wird und die BU-Rente nahtlos und ohne Ärger weitergezahlt wird. So ist man für jeden Fall abgesichert und es kann nicht passieren, dass sowohl die Krankenversicherung als auch der BU-Versicherer die Leistung verweigern. Der Krankenversicherer, weil er sagt, das ist BU, der BU-Versicherer, weil er die Meinung vertritt es läge noch keine BU vor.
  • Wenn Ihr Euch in einem sog. „Freien Beruf“ selbständig machen wollt, gibt es die Möglichkeit, sich über die Künstlersozialkasse zu versichern und so dann auch Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente zu erwerben. Hier gilt aber natürlich auch, dass die gesetzliche Erwerbsminderungsrente kaum als alleinige Absicherung ausreichend ist, aber als Grundabsicherung den großen Vorteil hat, dass Ihr diesen Schutz ohne Gesundheitsprüfung bekommt.
  • Wer anfangs richtig Geld sparen will bzw. muss, sollte sich mit dem Angebot für einen sog. „Technisch einjährigen Tarif“ interessieren. Was ist das: Mit zunehmenden Alter steigt das Risiko einer BU. Daher ist Absicherung bis zu einem Alter von 67 Jahren auch teurer als eine Versicherungsdauer bis zum Alter von z.B. 59 Jahren. Bei der klassischen Absicherung errechnet sich durch eine Mischkalkulation ein Beitrag, der für die gesamte Vertragslaufzeit gleich ist. Euer Beitrag ist hierdurch in jungen Jahren (ca. bis Anfang 40) höher als nötig kalkuliert. Bei der technisch einjährigen Versicherung zahlt Ihr den Beitrag, der dem tatsächlichen BU-Risiko Eures Jahrgangs entspricht. Dementsprechende steigt der Beitrag dann auch mit dem Alter an. Ihr seid also in jungen Jahren günstiger versichert und mit steigendem Alter und Risiko steigen auch die zu zahlenden Beiträge. Das kann eine interessante Alternative zu den „normalen“ Tarifen darstellen, da es dem Lebenszyklus besser gerecht wird. Es gibt kaum einen Handvoll Versicherer, die diese Tarife anbieten.

BU-Absicherungmodell:Erläuterung:
Das klassische ModellHierbei zahlt Ihr von Anfang an einen konstanten und gleichbleibenden Beitrag (den Nettobeitrag). Die Obergrenze ist durch den Bruttobeitrag vorgegeben.
Das EinsteigermodellBei diesem Modell zahlt Ihr in den ersten (zum Beispiel 10 Jahren) einen niedrigeren Beitrag, der sich während dieser Phase in der Regel zweimal auf den dann dauerhaft zu zahlenden Beitrag erhöht. Achtung, teilweise sind solche Einsteigertarife mit Leistungseinschränkungen versehen. Davon ist abzuraten.
Technisch einjährige TarifeBei der Wahl dieses Modells zahlt Ihr jedes Jahr exakt den Beitrag, der Eurem altersbedingtem Risiko entspricht. Dies führt anfangs zu sehr günstigen Beiträgen, jedoch zu deutlich höheren Beiträgen ab dem 40. Lebensjahr.