Checkliste Berufsunfähigkeitsversicherung für Akademiker
Man ist sich zwar darin einig, dass das Erwerbseinkommen die Grundlage unseres Lebensstandards darstellt -fällt dieses Weg, bleibt nur der Weg zum Sozialamt- dennoch versichern in Deutschland immer noch sehr wenige den Wegfall dieses elementaren Einkommens. Eine private Arbeitslosenversicherung wäre unsinnig und gibt es daher auch nicht. Man kann sich jedoch gegen die Folgen einer Invalidität absichern. Dauerhafte Invalidität, meist verursacht durch eine Erkrankung, führt im Regelfall dazu, dass man seinem Beruf nicht mehr nachgehen kann. Im Extremfall kann man gar keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen. Tritt dieser Fall ein, ist man über die gesetzliche Rentenversicherung nur äußerst unzureichend abgesichert. Die durchschnittlich gezahlten Erwerbsminderungsrenten sind so niedrig, dass die Betroffenen noch eine zusätzliche Grundsicherung beantragen müssen, da ein Überleben nicht möglich wäre. Das Risiko, keiner Erwerbsarbeit mehr nachgehen zu können ist daher ein elementares und sollte unbedingt abgesichert werden. Und da der Grund meist eine Erkrankung ist und kein Unfall, sollte dieses Risiko mit einer privaten BUV abgesichert werden, da diese sowohl bei Krankheit als auch bei Unfall (eine private Unfallversicherung leistet nur bei Invalidität als Folge eines Unfalls) leistet.
In Deutschland besitzen weit mehr Menschen eine Unfallversicherung, als eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Klar, diese Police ist günstiger zu erhalten. Das Risiko einer Invalidität aufgrund eines Unfalls ist allerdings zum Glück sehr gering. Erst ab einem Alter von 65 besteht für einige tatsächlicher Versicherungsbedarf. Das Risiko einer Erkrankung übersteigt das eines Unfalles bei weitem. Man muss daher leider feststellen, dass in Deutschland eine Vielzahl von Menschen falsch versichert ist.
Mit der Einführung der zweistufigen EM-Rente (Erwerbsminderungsrente, Rentenreform 2001) gibt es keinerlei Berufsschutz mehr. Der Staat sagt, er ist nur für eine Grundversorgung verantwortlich. Es ist nicht seine Aufgabe, einen bestimmten Status, der aufgrund eines höheren Einkommens erlangt wurde, zu erhalten. Dies bedeutet jedoch: Je höher das Einkommen war, umso höhere Einkommensverluste sind abzusichern. Dennoch zeigt sich, dass viele Akademiker, die durchaus die finanziellen Mittel hätten, sich abzusichern, dies nicht tun. Dabei ist der Gedanke, keine finanziellen Mittel mehr zu haben und von Freunden und Verwandten oder vom Staat abhängig zu sein, für viele kein reizvoller Gedanke.
Eine BUV ist wichtig von der Ausbildung bis zum Eintritt des Rentenalters. Aber – vollständigen Versicherungsschutz erhalte ich nur, wenn ich kerngesund bin und das bin ich meistens noch während der Ausbildung. Meist auch noch bei Berufseinstieg. Man sollte also auf alle Fälle so früh wie nur möglich einen Abschluss tätigen. Für Akademiker bedeutet das – am besten am Ende des Studiums!
Wenn es nun so klar auf der Hand liegt, dass dieser Abschluss wichtig ist, warum wird er dann nicht getätigt? Dafür gib es mehrere Gründe:
- Schwierige Risikoeinschätzung: Betrachtet werden muss die Möglichkeit eines Schadens (Eintrittswahrscheinlichkeit) und die Höhe des Schadens. Wer im Bekannten- oder Verwandtenkreis kein konkretes Beispiel findet, tut sich unglaublich schwer mit der tatsächlichen Risikoeinschätzung. Vor allem die Möglichkeit des Schadens wird häufig unterschätzt. Wird diese dann noch ausgeschlossen, wird die Höhe natürlich nicht mehr überdacht. Über die Medien wird das Risiko der Berufsunfähigkeit kaum thematisiert. Es ist daher in vielen Köpfen nur abstrakt vorhanden. Die Auseinandersetzung mit dem Thema findet daher häufig weder im sozialen Umfeld noch aus Eigeninitiative heraus statt. Erst wenn Beschwerden am eigenen Körper auftreten, wird man sich des Themas mit voller Wucht bewusst. Leider ist dann häufig kein Abschluss mehr möglich.
- Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten und der eigenen Gesundheit: So lange man jung ist, kann man vieles leisten. Aber wie sieht die Situation aus, wenn man mit 50 sehr krank wird? Wie sieht die Situation aus, wenn man Opfer einer psychischen Erkrankung wird? Das sind Situationen, die der momentanen realen Situation fern sind, eine Einschätzung ist kaum möglich. Fehleinschätzungen wie: „Ach ja, mit meiner Ausbildung kann ich immer noch irgendwas arbeiten“ sind dann die Folge. Man spricht in diesem Fall von einer „Kontrollillusion“. Der junge Mensch überschätzt seine Kontrollfähigkeiten, er meint, er könne auch die Probleme, die eine BU mit sich bringen, kontrollieren und bewältigen. Leider zeigt die Realität etwas anderes. Hinzu kommt, dass der Mensch dazu neigt, das Risiko einer Erkrankung bei sich selbst immer geringer einzuschätzen, als bei anderen. Ein Raucher sieht z.B. durchaus das Risiko einer Brustkrebserkrankung, geht allerdings davon aus, dass er selbst nicht besonders gefährdet ist.
- Hedonistischer Lebensstil: Wenn sich Studenten mit dem Thema BUV befassen, wird Ihnen die Wichtigkeit einer Police zwar bewusst, da aber nicht allzu viele finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, wird der Abschluss auf spätere Zeiten vertagt. Erst mal braucht man das eigene Geld für Reisen, ein Auto, zum Ausgehen oder sonstige Dinge, die für das junge Leben von großer Bedeutung sind. Im Normalfall zieht ein junger Mensch die Möglichkeit einer Fernreise dem Abschluss einer BUV vor. Eine BUV kostet Geld und bedeutet somit einen aktuellen Konsumverzicht. Da sich ein junger Mensch häufig eher an den aktuellen Interessen orientiert und nicht an die Risikoabsicherung der Zukunft, bleibt der Abschluss aus. Dabei möchten die meisten irgendwann einmal eine Familie gründen und spätestens dann auch abgesichert sein. Das Dumme bei der BUV ist jedoch, dass man dann meist schon ein Alter hat, das einen unkomplizierten Abschluss nicht mehr zulässt.
- In Deutschland besteht eine Tradition für das Absichern von Gegenständen. Ein Beispiel: Es besteht allgemeiner Konsens darüber, dass man ein neues KFZ vollkasko versichern muss. Dabei ist der finanzielle Schaden eines KFZ-Totalschadens weit geringer als der Wegfall des Erwerbseinkommens. Oder: Der Abschluss einer Hausratversicherung scheint vielen Menschen besonders wichtig, weil sämtliche Gegenstände, die ein Eigentum darstellen, abgesichert sind. Viele dieser Menschen besitzen aber tatsächlich keine private Haftpflichtversicherung. Während der eigene Hausrat meist einen Wert von ein paar 10000 Euro hat, können Haftpflichtansprüche in die Millionen gehen.
- Fehlende Motivation: Man muss ein Risiko erst einmal wahrnehmen, um einen Antrieb zu entwickeln, sich über ein Thema zu informieren. Sicherlich wird zwar überall darauf verwiesen, dass eine BUV wichtig ist, solange man aber gesund ist und zudem noch 1000 andere „wichtige“ Dinge zuerst zu erledigen hat, ist der Antrieb, sich mit dem Thema BUV zu beschäftigen einfach nicht da. Wie sollte er auch.
- Versicherungslaie: Man hat sich noch sehr wenig mit dem Thema Versicherungen auseinandergesetzt. Vielleicht hat man schon eine eigene Haftpflichtversicherung abgeschlossen, aber im Großen und Ganzen lief bisher alles über die Eltern bzw. über die Mutter oder den Vater. Die ersten Abschlüsse sind mit die schwierigsten. Das Wissen über Finanzprodukte ist häufig äußerst gering und erschwert somit eine Beurteilung, die einen Abschluss innerlich rechtfertigt. Da der finanzielle Aufwand für eine BUV nicht ganz geringfügig ist, ist es wichtig, dass die innerliche Rechtfertigung, das subjektive gute Gefühl, auch vorhanden ist. Eine der ersten Versicherungen, die man abschließen muss ist also gleichzeitig eines der komplexesten Produkte am Versicherungsmarkt überhaupt.
- Genaue Zieldefinition ist nötig: Um sich mit einer komplizierten und komplexen Sache auseinanderzusetzen, muss man sich ein Ziel setzen. Dieses heißt in unserem Fall: Der erfolgreiche Abschluss einer BUV. Nur wer sich dieses Ziel auch definitiv setzt, kann es erreichen. Es ist also wichtig, sich alle bisher genannten Steine aus den Weg zu schaffen und dann auch noch ein konkretes Ziel zu setzen und den Abschluss einer BUV durchzuziehen.
Diese Aufführung zeigt, dass ein rationales vernünftiges Handeln schwer durchzuziehen ist. Es gibt Dinge, die sollte man nach dem Gefühl entscheiden und Dinge, die sollte man mit Vernunft angehen. Beim Abschluss von Versicherungen ist wohl eher die Vernunft gefragt.
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