FAQ - Häufige Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung
(Dieser Artikel wurde 57797 mal gelesen - Artikel erstellt von: Wegweiser-Berufsunfähigkeitsversicherung)Was bedeutet abstrakte Verweisung?
Der Begriff der abstrakten Verweisung erklärt sich am einfachsten über den Begriff der konkreten Verweisung.
Sollte bei Ihnen eine BU festgestellt werden und Sie finden trotz dieser BU eine Tätigkeit, der Sie dann beruflich auch tatsächlich nachgehen, dann sagt der Versicherer, gut, wir verweisen jetzt auf diese konkret ausgeübte Tätigkeit. Das ist dann eine konkrete Verweisung.
Sollte bei Ihnen eine BU festgestellt werden und der Versicherer sucht irgendeine andere Tätigkeit für Sie, die Sie noch ausüben könnten, dann ist das nicht besonders konkret und man spricht von einer abstrakten Verweisung. Abstrakt auch deshalb, weil Sie diese Verweisungstätigkeit (noch) nicht konkret ausüben. Wenn´s dumm läuft, finden Sie dafür auch keine.
Was besagt der Prognosezeitraum?
Wenn Sie recht krank sind und nicht arbeiten können, kann der Arzt eine Prognose erstellen, wie lange Sie wahrscheinlich noch krank sein werden. Eine Prognose für die nächsten 6 Monate kann man leichter aussprechen, als z.B. für die kommenden 3 Jahre. Daher sollte der Prognosezeitraum recht kurz sein, gut sind 6 Monate.
Zudem enden viele Erkrankungen nach ca. einem Jahr wieder. Bei einem Prognosezeitraum von 6 Monaten erhalten Sie auch für so eine begrenzte BU Leistung.
Was ist der Unterschied zwischen einer selbständigen Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU) und einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ)?
Eine selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein eigenständiger Vertrag. Eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung ist ein Zusatz zu einem anderen Hauptvertrag, z.B. zu einer Lebensversicherung.
Vorteil einer BUZ ist, dann man eine Beitragsbefreiung mit vereinbaren kann, die dann garantiert, dass der Hauptvertrag im Falle einer BU weiterläuft. Hat man z.B. eine Kapitallebensversicherung als Hauptvertrag und dazu eine BUZ und man wird berufsunfähig, dann läuft der Sparvertrag der Lebensversicherung weiter und man erreicht dennoch sein Sparziel. Der Nachteil – man ist unflexibel. Kann man den Hauptvertrag einmal nicht mehr bezahlen oder stellt sich heraus, dass man ihn nicht mehr braucht, dann kann die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht isoliert weiter bestehen. Da man aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung meist nur in jungen Jahren unkompliziert erhält, ist man dann häufig zwangsläufig an den Hauptvertrag gebunden. Der Nachteil von isolierte Verträgen ist, dass die Beiträge in der Summe etwas höher sind, als wenn man Kombiprodukte abschließen würde. Dafür ist man in der Zukunft flexibler – was heutzutage recht wichtig ist.
Warum ist die Antragsprüfung so streng?
Weil ein BU-Fall die Versicherung doch recht viel Geld kostet. Ein Versicherungsunternehmen muss leider gut rechnen können, um am Markt bestehen zu können und stets seiner Leistungspflicht nachkommen zu können. Der Einkauf schlechter Risiken (so nennt man es, wenn eine Versicherung Leute versichert, die wahrscheinlich mal viel Leistung erhalten) kann das gesamte Unternehmen schädigen. Davon hat keiner was. Eine Versicherung, die nicht streng prüfen würde, würde somit schlecht arbeiten. Da sollten Sie sich auf keinen Fall versichern.
Was bedeutet Beitragsverrechnung?
Ein Lebensversicherer zahlt einen bestimmten %-Satz seiner Gewinne an seine Versicherten zurück. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen, z.B. mit der Beitragsverrechnung. Hierzu wird vom garantierten Beitrag jedes Jahr gleich der Betrag, den Sie zurückerhalten, abgezogen. Einfaches Beispiel: Sie haben einen garantierten Beitrag von 300.- Euro zu zahlen, bekommen dann aber pro Jahr 30.- Euro zurück, also zahlen Sie gleich nur 270.- Euro. Da die Gewinne nicht garantiert sind und variieren können, kann der Zahlbeitrag über die Jahre hinweg schwanken.
Was ist eine Bonusrente?
Die Bonusrente ist ein anderes System, mit dem die Versicherer die erwirtschafteten Gewinne an den Versicherten zurückzahlen. (Siehe auch: Was bedeutet Beitragsverrechnung?) Die erwirtschafteten Gewinne werden dazu verwendet, die BU-Rente zu erhöhen. Sie zahlen also einen garantieren Beitrag für eine garantierte Rente, die aber bei guten Gewinnen dann höher ausfällt. Einfaches Beispiel: Sie zahlen 300.- Euro Beitrag für eine BU-Rente von 500.- Euro. Tritt der BU-Fall ein, müsste die Bonusrente jedoch bei 610.- Euro liegen, falls sich die Gewinne entsprechend weiterentwickeln. Die Bonusrente ist nicht garantiert, sie kann höher oder niedriger ausfallen, da sie aus einer garantierten BU-Rente und einer nicht garantierten Überschussrente zusammensetzt.
Erhalte ich mein Geld, wenn ich die Berufsunfähigkeitsversicherung die gesamte Laufzeit nicht in Anspruch genommen habe, am Ende der Laufzeit wieder zurück?
Nein. Das ist wieder bei der KFZ-Versicherung oder der privaten Haftpflichtversicherung. Man kann das Ganze mit einem einfachen Rechenbeispiel erklären. Angenommen, Sie vereinbaren 1000.- monatliche BU-Rente im Leistungsfall und das bis zum Endalter von 65. Mit 25 Jahren schließen Sie ihren Vertrag und zahlen jährlich 300.- Euro Beitrag. Mit 35 Jahren werden Sie leider berufsunfähig. Zu diesem Zeitpunkt haben Sie dann 3000.- Euro eingezahlt. Erhalten werden Sie in den kommen Jahren jedoch noch 30 Jahre lang jährlich 12000.- Euro, das macht insgesamt 360000.- Euro. Diese Leistung kann die Versicherung nur erbringen, wenn Sie viele Versicherte hat, die nicht berufsunfähig werden (und die dann am Ende der Laufzeit nicht ihr Geld zurückerhalten).
Einige Versicherer bieten eine Schlusszahlung an, für den Fall, dass Sie nicht berufsunfähig werden. Dies sind aber natürlich auch Gelder, die in die Beitragsberechnung, die Risikoauswahl und in viele weitere Kriterien miteinfließen.
Muss ich meine BU-Rente versteuern?
Ja, allerdings nur mit dem Ertragsanteil, also nicht die ganze Rente. Der Ertragsanteil ist umso höher, je eher die BU-Rente beansprucht wird. Denn je länger die verbleibende Laufzeit, umso höher ist der Ertragsanteil. Bei einer verbleibenden Laufzeit von 45 Jahren beträgt somit der Ertragsanteil ganze 42%, bei verbleibenden 30 Jahren noch 30%, bei verbleibenden 15 Jahren noch 16% und bei verbleibenden 5 Jahren noch 5%. (Siehe §55 Absatz 2 Einkommensteuer-Durchführungsverordnung.)
Bin ich während der Elternzeit versichert?
Ja, solange Sie weiterhin Beiträge bezahlen, sind Sie auch weiterhin versichert. Beachten Sie jedoch in den Tarifbedingungen den Abschnitt, wie der Versicherer sich bei einem Ausscheiden aus dem Beruf verhält. Gut ist, wenn genau beschrieben ist, welche Dauer als kurzfristiges Ausscheiden angesehen wird, wenn diese Dauer bis 3 Jahre lang sein kann und wenn Sie während dieser Dauer auch weiterhin auf Ihren Beruf versichert sind.
50% BU- Wie definiert sich das? Ab wann bin ich tatsächlich berufsunfähig?
Die Versicherungen führen zuerst eine quantitative Prüfung durch und anschließend noch eine qualitative Prüfung. Bei der quantitativen geht es einfach um das Zusammenrechnen von Arbeitszeiten. Sie müssen minutiös angeben, welche Tätigkeiten über den Tag verteilt so anfallen. Dann wird geschaut, welche Tätigkeiten Sie noch ausüben können und welche nicht und dann werden die Minuten zusammengezählt und geschaut, können noch 50% erbracht werden oder nicht. Ergibt sich ein Wert über 50% bei den Tätigkeiten, die noch ausgeführt werden können, kann es sich dennoch um eine BU handeln. Denn jetzt wird noch qualitativ geprüft. Die Tätigkeiten werden im Zusammenhang betrachtet. Ein Beispiel: Ein Vertreter arbeitet täglich 5 Stunden im bzw. beim Kunden und ist täglich 3 Stunden im Auto unterwegs. Aufgrund einer Augenerkrankung darf er nun nicht mehr Autofahren. Es fallen also 3 Stunden täglich weg. Das sind weniger 50%. Da aber dadurch die Kundenbesuche auch wegfallen, reduzieren sich die Tätigkeiten, die er tatsächlich noch durchführen kann auf weniger als 2 Stunden am Tag. Also ergibt sich eine BU. (Ein sehr vereinfachtes Beispiel. In der Realität gestaltet es sich leider wesentlich schwieriger.)
Was passiert, wenn ich meinen Beruf wechsle?
Bei allen anständigen Tarifen passiert da gar nichts. Achten Sie jedoch vor Vertragsabschluss darauf, dass Sie einen Tarif auswählen, bei dem stets der ausgeübte Beruf versichert ist.
Ich habe einen Kammerberuf und bin über dieses Versorgungswerk abgesichert. Brauche ich dennoch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung?
Das hängt davon ab, wie gut die Absicherung der jeweiligen Kammer gestaltet ist. Wenn der Prognosezeitraum länger als 6 Monate beträgt oder erst ab einer 100%-igen Berufsunfähigkeit geleistet wird, dann kann man durchaus darüber nachdenken, ob man sich nicht besser absichern möchte.
Mich lehnen alle privaten Versicherer aufgrund einer Vorerkrankung ab. Was kann ich tun?
Es klingt banal und ist doch so wichtig: Leben Sie gesund und mit einer positiven Einstellung zu Ihrer Arbeit. Das hilft ungemein. Des weiteren sollten Sie zumindest eine Unfallversicherung abschließen. Die meisten Berufsunfähigkeiten entstehen zwar aufgrund einer Krankheit, so jeder 10. Fall geht jedoch auf einen Unfall zurück. Sichern Sie zumindest dieses Risiko ab. Sie können ggf. auch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abschließen. Erwerbsunfähigkeitsrenten werden zwar kaum gezahlt, weil man wirklich sehr, sehr krank sein muss, um eine zu erhalten (geleistet wird, wenn Sie keinen Erwerb mehr nachgehen können), aber damit kann man wenigstens den „Super-Gau“ absichern. Eine Grundfähigkeitenabsicherung stellt i.d.R. keine Alternative dar, weil hier genauso streng bezüglich Vorerkrankungen geprüft wird.
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung?
Machen Sie den Abschluss so früh wie möglich. Sobald Beschwerden oder Erkrankungen auftreten, wir es mit dem Abschluss schwierig bis unmöglich. Die Tarife sind inzwischen fast alle gut und zu einem gewissen Maß noch flexibel gestaltbar. Schließen Sie daher die Berufsunfähigkeitsversicherung am besten bereits während der Ausbildung ab!
In den Bedingungen heißt es: Rücktrittsfrist bei Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht 5 Jahre“: Ist es da nicht besser, ich verschweige meine Erkrankungen und spekuliere darauf, dass 5 Jahre jetzt erst mal nichts passiert? Klare Antwort: Nein! Tun Sie das nämlich bewusst, um einen besseren Abschluss zu erhalten, dann ist das eine vorsätzliche Täuschung. Die Versicherung wird alles tun, ihnen das nachzuweisen. Auch nach einer längeren Zeit, als 5 Jahren.
Was ist ein Risikosport?
Im Prinzip kann jeder Sport zum Risikosport werden, wenn er wettkampftechnisch ausgeführt wird. Bei Freizeitsport gelten Sportarten wie z.B. Klettern, Rafting, Fallschirmspringen, Motorsport oder Tauchen zu Risikosportarten. Die einzelnen Versicherer bewerten hier die Risiken zum Teil unterschiedlich. So ist bei einem Versicherer Reiten ein Risikosport, beim anderen nicht, bei einem Versicherer ist Klettern ganz allgemein ein Risikosport, bei einem anderen erst ab Schwierigkeitsstufe 4. Hier muss man einfach nachfragen.
Was passiert, wenn ich arbeitslos werde? Bin ich weiterhin versichert?
Wenn Sie weiterhin Beiträge bezahlen, sind sie auch weiterhin versichert. Die einzelnen Gesellschaften verhalten sich jedoch unterschiedlich bezüglich der Verweisbarkeit auf andere Tätigkeiten, wenn man eine bestimmte Zeit aus dem Beruf ausgeschieden ist. Hier muss man also nachfragen, wie diese Situation in den allgemeinen Bedingungen festgelegt ist.
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